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Göttergeschichte

Die Geschichte der Götter und der Lauf der Welt

 Es gab eine Zeit, als die Welt jung und die Götter allgegenwärtig waren. Eine Zeit ohne Zweifel an dem Göttlichen, eine Zeit ohne Leid und ohne Trauer. Eine gute Zeit.

 In dieser Zeit wandelten die Götter auf ihrer Schöpfung und beglückten die Menschen mit ihrer allgegenwärtigen Pracht und Schönheit. Ihr Wirken war offensichtlich und überall.

 Da war Kircinaia, die älteste und die jüngste zugleich, denn sie symbolisierte Ende und Neuanfang, ein ewiger Kreislauf. Und alle Menschen wussten, wann ihr Ende kam und dass ein Neuanfang bevorstehen würde. Keiner hatte Angst vor dem Tod und dem Eintritt in den ewigen Kreislauf.

 Und da war Kornu, der Gott des Schutzes und der Heilung. Er hielt alle Gefahren und alles Unheil von den Menschen auf der Erde fern, heilte ihre Krankheiten und sorgte für das Wachstum auf den Feldern.

 Und da war Arcus, der Gott der Jagd und der ungezügelten Natur. Er kümmerte sich darum, dass es im Wald immer genug Wild zu jagen gab. Ebenso liebte er die Stürme, Lawinen und das Meer. Sein Wirken lehrte die Menschen Ehrfurcht vor der Natur und ihrer Gewalten.

 Und da war Ignis, die Göttin des Handwerkes, der Familie und des Feuers. Sie sorgte dafür, dass niemand alleine sein musste und jeder einen Platz hatte, zu dem er nach Hause kommen konnte. Sie lehrte die Menschen die Handwerkskunst und im besonderen das Schmieden, welches ihr liebstes Handwerk ist.

 Und da war Lusaria, die Göttin des Spiels und der Liebe. Sie brachte den Menschen die Freude und die Unterhaltung bei, sie war die Verkörperung der Kunst und die Muse aller Musiker und Dichter.

 Und da war Fizzio, der Gott der Weisheit und des Rechtes. Er lehrte die Menschen Recht und Ordnung und die Welt zu verstehen und zu begreifen. Er lehrte sie Recht von Unrecht zu unterscheiden und brachte ihnen Moral und Anstand bei.


 Aber da war auch der Gott Improbus. Der Gott des Widerspruches und der Zerstörung. Keiner weiß genau, woher er kam, aber jeder wusste um sein böses Wesen und sein verdorbenes Herz. Mit List und Heimtücke verführte er die leichtgläubigen und dummen Menschen und zog sie in seinen schwarzen Sog der Dunkelheit.

 So begab es sich eines Tages, dass Improbus, die Quelle des Bösen, auf die Schöpfung der Götter und das Paradies der Menschen blickte. Voller Abscheu und voller Neid beobachtete er das friedliche Miteinander und in diesem Moment reifte in seinem kranken Geist ein kühner Plan und er sagte sich:

„Wie sie da stolzieren und selbstgefällig einherschreiten. Wie sie arrogant glauben, über die Welt zu herrschen wo doch ICH der mächtigste der Götter bin. Ich werde ihnen zeigen wo ihr Platz ist.

Vorbei sein sollen die Jahre, in denen alle in Frieden leben konnten.

Vorbei Recht und Ordnung, vorbei Moral und Anstand, denn das ist Fizzio.

Vorbei die Kunst und die Freude, denn das ist Lusaria.

Vorbei die Familienbande und die Handwerkskunst, denn das ist Ignis.

Vorbei die Jagd und die Schönheit der Natur, denn das ist Arcus.

Vorbei der ewige Kreislauf, denn das ist Kircinaia.

Vorbei die Heilung und der Schutz der Götter, denn das ist Kornu.“

 Dann zog er sich acht Tage und acht Nächte zurück und erschuf das Werkzeug, welches die Zerstörung der Welt herbeiführen sollte.

 Es war das schönste, das die Welt je gesehen hatte. Ihr Haar war so golden wie die volle Sonne und ihre Haut so weiß wie das Antlitz des Mondes. Ihre Augen waren tief und blau wie die See. Sie war kaum älter als 16, eine zarte Blüte in voller Pracht.

 Mit dem Blütenstaub einer neuen Sommerblume hauchte Improbus ihr das Leben ein. Er nährte sie mit dem süßen Ambrosia der Götter. Zu trinken gab er ihr nur den feinsten Nektar.

 Als Herz allerdings gab er ihr einen heißen Klumpen Lava für den Zorn und einen Eisblock für den Hass.

 Als sie die Augen aufschlug, da spiegelten sich die gleiche Verachtung für alles Leben und der gleiche boshafte Trieb ihres Erzeugers in den abgründigen Schlunden ihrer Augen wieder. Er taufte sie auf den Namen Dea.

 Es war Ignis, die Dea fand, einsam und verlassen an einem Teich sitzend ein Lied singend, das schöner war als alle anderen Lieder, die sie jemals gehört zu haben glaubte. Die Stimme des Mädchens klang schöner als die der Nachtigall, ja schöner sogar als die Stimme der Göttlichen Lusaria in Ignis Ohren.

 Da sprach sie:

„Diese wunderschönen Klänge sollen meine Geschwister hören, ein jeder soll dies perfekte Lied hören.“

 Und so brachte sie das Mädchen ins Paradies und ließ sie singen. Und Dea sang. Sie sang für die Götter und die Menschen, für die gesamte Schöpfung, jeder lauschte ihrer wunderbaren Stimme und war verzückt.

 

Jeder bis auf Lusaria.

 „Dieses Kind singt nicht besser als ich, ihre Stimme ist nicht klarer als die meine, ihr Lied nicht harmonischer als meines.“

 Ein nie gekanntes Gefühl erwachte in ihr und wurde mit jedem Laut, den Dea sang, stärker und stärker. In Lusaria erwachte der Neid.

 Der Neid ist ein heimtückischer Begleiter. Denn immer, wenn man glaubt, man habe ihn verloren, meldet er sich wieder, wie ein Wurm in den Eingeweiden.

 Jeder liebte Dea, jeder liebte Deas Stimme.

 Die Leute kamen und lauschten, sie vergaßen alles um sich herum wenn Dea sang. Sie vergaßen ihre Pflichten und Ihr Heim, was den Zorn von Fizzio und Ignis auf sie zog.

 Und Fizzio sprach: „Ihr solltet nicht vergessen eure Lehren und nicht die Moral und den Anstand, den ich euch lehrte! Von nun an sollt ihr strebsam und bescheiden werden!“

Und Dea sprach: „Ja, mein Herr Fizzio hat Recht, wir huldigten ihm, dem weisesten der Götter zu wenig. Lasst es uns ändern.“

 Und die Menschen gehorchten und ließen ab von Spiel und Kunst, sie ließen ab von Handwerk und Jagd und lernten von Fizzio Recht und Weisheit zu erkennen. Aber Fizzio übertrieb es und drängte die Menschen zu sehr dazu nach Ordnung und Demut zu streben, er säte den Fanatismus in ihren Herzen.

 Da fühlten sich die Anderen Götter vernachlässigt und so sprach Lusaria:„Ihr sollt nicht die ganze Zeit lernen, lacht lieber und erfreut euch des Lebens, denn dafür ist es gemacht.“

 Und Dea sprach: "Ja, meine Herrin Lusaria hat recht, wir huldigten der schönsten aller Götter viel zu wenig! Lasst es uns ändern!“

 Und die Menschen fingen an, rauschende Feste zu feiern und der Völlerei zu frönen und sie vergaßen die Demut und die Lehren Fizzios unter der Wirkung des berauschenden Weines. Immer ausschweifender wurden ihre Feste. Die Menschen gingen nur noch ihren Trieben nach. Lusaria säte die Triebhaftigkeit in ihren Herzen.

 Das erzürte Ignis so sehr, dass sie zu den Menschen rief: „Genug des Hurens und der Völlerei! Ihr habt alle eine Familie und ein Heim, haltet es instand und hütet es!“

 Und Dea sprach: "Meine Göttin Ignis hat recht, wir sollten der Geschicktesten unter allen Göttern nicht die Gunst verwehren. Lasst es uns ändern!“

 Und die Menschen hörten auf zu feiern und kehrten in ihre Häuser ein, sie hegten und pflegten sie und jeder sorgte dafür, das sein Heim immer heil und wohnlich war.

 Aber Ignis reichte das nicht, sie trieb die Menschen zu immer neuen Höchstleistungen an, jeder wollte der Göttin das schönste und prächtigste Haus präsentieren und die Menschen waren fortan nur damit beschäftigt, ein schöneres und besseres Heim zu haben als ihre Nachbarn.

 Ignis säte in den Herzen der Menschen die Eifersucht. 

 Da zürnte der Gott Arcus und sprach zu den Menschen: „Genug des Eiferns des Waldrodens und des Bauens. Ihr sollt die Natur achten und sie nicht zerstören! Ihr sollt die Tiere des Waldes schätzen und lernen was es bedeutet mit der Natur eins zu sein.“

 Und Dea sprach: "Mein Gott Arcus hat recht, wir sollten die Natur viel mehr achten und sie lieben, verwehren wir dem stärksten unter den Göttern nicht unsere Gunst! Lasst es uns ändern!“

 Arcus sandte Stürme und Fluten über die Häuser der Menschen und vernichtete eines nach dem anderen.

 Und die Menschen verließen ihre Häuser und zogen in die Wildnis. Sie bewohnten dort Höhlen und nährten sich von dem, was die Natur ihnen gab und was sie jagen konnten. Doch Arcus forderte die Menschen zu sehr. Er schickte ihnen harte Winter und heiße Sommer. Die Menschen fingen an zu horten und sich Vorräte anzulegen, immer mehr und mehr beuteten sie die Natur aus. Immer mehr Wild jagten sie, am Ende mehr als sie benötigten.

 Arcus säte in den Herzen der Menschen die Gier.

 Das erzürnte Kircinaia die jüngste und die älteste der Götter zugleich, denn die Menschen, die früher im Gleichgewicht lebten, wurden durch das Wirken ihrer Geschwister ungleich behandelt. Wie ein Spielball wurden Jene benutzt, die eigentlich zu schützen und zu leiten waren.

 Da rief Kircinaia ihre Geschwister zusammen und versammelte sie alle um sich. Zornig waren ihre Geschwister aufeinander, zürnte doch immer noch jeder dem anderen, dass er es gewagt hatte, die Menschen so sehr zu beeinflussen, dass sie alle anderen Götter vergaßen.

 Aber nicht alle Götter zürnten.

 Kornu, der Gott der Heilung und des Schutzes war nach wie vor bemüht, den Menschen die Heilung näher zu bringen und sie zu beschützen! Was kümmert es ihn, wenn die Menschen die Natur der Stadt den Vorzug gaben, oder wenn sie stets lernten anstatt sich zu freuen und zu feiern? Kornu war voller Liebe für die Menschen.

 Und so sprach er: "Geschwister! Wir vergaßen unsere Aufgaben, wir vergaßen unsere Ziele. Wir sind gemeinsam die Welt, wir sind gemeinsam vollkommen. Wir müssen uns wieder einen und unser Paradies wiederfinden, um dort zusammen mit den Menschen zu leben und zu lehren.“

 Doch Improbus' Plan war weit gereift und die Götter waren eitel und närrisch geworden.

 Und Lusaria sprach: "Ich bin die schönste unter euch! Die Menschen sollen mich besingen! Mich alleine!“

 Doch Fizzio sprach: "Ich bin der weiseste von uns! Die Menschen sollen mich verehren! Mich alleine!“

 Aber Ignis sprach: "Ich bin die Geschickteste von uns! Die Menschen sollen mich lieben! Mich alleine!“

 Jedoch Arcus sprach: "Ich bin der Stärkste von uns! Die Menschen sollen mich anbeten! Mich alleine!“

 Und Kircinai sprach: "Die Menschen sollen uns alle lieben und ehren! So wie wir sie lieben und ehren! Erinnert euch, meine Brüder und Schwestern. Erinnert euch daran, wie es früher war.“

 Und die Götter fingen an, sich zu erinnern. Sie erinnerten sich an das Paradies und die schöne Zeit mit den Menschen, an Zusammenhalt und an Gemeinschaft.

 Doch Dea sprach: "Ja, erinnern wir uns! Erinnern wir uns, wie es früher war.“

 Und Dea fing an zu singen und während sie sang, rief sie alle schlechten Erinnerungen wieder in den Göttern wach, und mit jedem Ton wurden die Götter aggressiver und wütender. Immer höher stachelte sie die Gefühle der Götter auf, die mittlerweile völlig Deas Stimme verfallen waren.

 Und so trennten sich die göttlichen Geschwister wieder voneinander, jeder zog sich zurück und sammelte die Menschen um sich, die ihnen am treusten ergeben waren. Obgleich Kornu und Kircinaia nicht, wie ihre göttlichen Geschwister, voller Zorn waren, zogen auch sie sich zurück mit ihren Getreuen, trieb sie allerdings eher das Wohlergehen ihrer Anhänger als das Mehren der eigenen Macht an. Das war die Entstehung der Länder Myriandas.


 Zurückgezogen voneinander konzentrierten sich die Götter nun darauf, ihre getreuen Anhänger in ihren Lehren besonders zu schulen und Anweisungen zu geben, wie man sie denn verehren solle. Sie formten auch das Land nach ihren Bedürfnissen. Und so geschah es, dass sich die Bevölkerung zu Spezialisten entwickelte. Arcus' Land brachte seit jeher und bis heute die wildesten Krieger und besten Jäger hervor. Lusaria die besten Dichter und Tänzer hervor, Ignis die besten Handwerker, Fizzio die größten Philosophen und Rechtsgelehrten, Kircinaia die besten Diplomaten und Kronu die besten Heiler und ehrenhaftesten Krieger. Zufrieden mit ihrem zurückgezogenen Dasein herrschte eine zeitlang Frieden, hatten doch nun die Götter bekommen, was Dea in ihren Herzen als sehnlichsten Wunsch säte.

 Da grämte Dea und sie ersann einen listigen Plan, um den Frieden zu zerstören. Sie begab sich zu Lusaria und bat sie, dass sie eine Weile den Gesangskünsten von Lusarias Volk lauschen könnte, da diese als die besten Sänger überhaupt galten.

 Lusaria, geschmeichelt von den netten Worten Deas, stimmte sofort zu.

 Sie ließ ihre besten Sänger antreten, die ihre schönsten Lieder vortrugen. Und sie sangen und Dea lauschte mit geschlossenen Augen diesen lieblichen Klängen. Als der Gesang verstummte und alle noch entzückt den letzten Klängen in ihrem Ohr nachhingen, verzog Dea traurig das Gesicht.

 Sie sprach: "Ach wie lieblich diese Stimmen waren und wie entzückend die Geschichte, die gesungen wurde, aber an die Lobeshymnen des Chores nach der Jagd, am Lagerfeuer von Arcus, kommen sie nicht heran. Kräftig und urtümlich sind ihre Stimmen.“

 Lusaria, in ihrer Eitelkeit verletzt erwiderte trotzig: „"Meine Sänger sind besser als die meines Bruders! Sie können jeden in einem fairen Gesangswettstreit besiegen. Ihre Stimmen sind die reinsten und die schönsten die es gibt, die rauen Kehlen von Arcus Männern können nicht mit ihren mithalten.“

 Dea sagte: "Meine Herrin spricht wahr und ich entschuldige mich für meinen Irrtum. Doch sprach ich die Worte meines Herren Arcus, er sprach so zu mir, dass seine Mannen die Euren jederzeit schlagen könnten. Warum geht Ihr nicht zu ihm und fordert Euren Bruder zu einem Wettstreit heraus? Arcus' Land ist ein schönes und unberührtes, es gibt viele Lieder die ihr über dieses Land schreiben könntet. Und stellt euch die Geschichten vor, die erzählt werden können über diesen Wettstreit der Götter.“

 Lusaria, verzückt von den Einflüsterungen Deas machte sich sogleich auf, ihre besten Sänger zu sammeln.

 Dea sprach heimtückisch wie sie war: "Meine Herrin, soll ich verkünden lassen, dass Ihr nun euch zu eurem Bruder Arcus begeben werdet, um ihn in seine Schranken zu weisen? Denn es kann sich keiner mit der Kunst Eures Landes messen.“

 Lusara, die mitten in den Vorbereitungen für den bevorstehenden Aufbruch steckte, nickte nur und konzentrierte sich dann wieder darauf, ihr Volk und sich vorzubereiten aus ihrem Land zu ziehen, denn die Götter hatten ihr Land über Jahrhunderte nicht mehr verlassen. Menschen, die zwischen den Ländern reisten, gab es auch so gut wie gar nicht.

 Dea sprach. Sie sprach laut und deutlich, so dass alle ihre Stimme vernehmen konnten, bis in den letzten Winkel des Landes von Lusaria reichte ihre Stimme und bis in die Vorläufer der angrenzenden Länder.

 So sprach Dea: "So sehet all ihr Sterblichen und ihr Götter versteckt in euren Bastionen! Die wunderschöne und reine Lusaria wird ihr Land verlassen, um auch andere Länder an der Herrlichkeit ihres Volkes teilhaben zu lassen. Sie wird ihre Kunstfertigkeit mit ihren weniger begabten Geschwistern teilen.“

 Noch bevor Lusaria einschreiten konnte, um Deas Wortlaut, zu korrigieren, der ihr doch ein wenig zu hart erschien, begab sich Ignis zu ihrer Landesgrenze und sprach mit donnernder, von Zorn verzerrter Stimme: "Lusaria, meine lasterhafte Schwester! Wie kannst du es wagen zu behaupten, dass meine Kunst die deiner in etwas nachsteht! Da kannst du singen und spielen lassen, du kannst tanzen und Geschichten schreiben! Sieh auf mein Land und staune was mein Volk hervorgebracht hat.“

 Und Lusaria sah, sie sah die prachtvollen Bauten von Ignis' Volk, die Statuen der Heiligen und der Göttin selber, die prächtigen Straßen und die reich verzierten Häuser und Neid überkam sie. Sie wollte auch solch prächtige Bauten haben und ihr Antlitz in edelsten Stein gehauen sehen und so sprach Lusaria:

 "Ignis, meine verschlossene Schwester! Deine Bauten mögen wundervoll anzusehen sein, aber sie sind so still und leblos! Höre auf den Chöre meines Volkes, wie sie mich loben und mich ehren, ihre Stimmen hallen in die letzten Winkel meines Landes, sie bringen die Menschen dazu zu träumen und zu genießen!“

 Und Lusaria ließ ihr Volk singen, und es sang, es sang von Lusarias Herrlichkeit und ihrer Güte, es sang von den Vorzügen des Weines von romantischen Geschichten und geheimnisvollen Mythen. Ignis konnte nicht anders als die Augen zu schließen und zu träumen, die wunderbaren Klänge von Lusarias Volk bewegten ihr Herz. Obgleich sie verzückt von den vollen Klängen der Lieder war, so neidete sie doch ihre Schwester darum, dass ihre Kunst es nicht vermochte, die Menschen so zu berühren.

 Und so sprach Ignis: "Lusaria, dein Volk mag ja schön singen können, aber mit der Standhaftigkeit meines Volkes kann es nicht mithalten, sieh! Was wir für feste Gebäude gebaut haben, sie halten allem stand! Du magst deinem Volk Träume schenken, ich schenke ihnen Sicherheit und Stärke!“

 Während die beiden noch stritten und Wettkämpfe ausführten, im Singen und im Bildhauen, im rezitieren von Gedichten und im Schmieden von Schmuck, begab sich Dea zum göttlichen Arcus und ersuchte um Anhörung. Sie sprach empört:

 "Mein göttlicher Herr! Ignis' Volk brüstet sich damit, dass sie Gebäude bauen, die allem standhalten können. Sie sagt, dass ihr Volk das standhafteste und das stärkste sei.“

 Arcus, der sich herausgefordert fühlte, begab sich zu seiner Landesgrenze. Und sein Blick fiel auf Ignis' Land, doch anders als Lusaria sah er keine Herrlichkeit in der Kunstfertigkeit von Ignis" Volk, sondern lediglich Verschwendung des reinen, wahren Landes und Missbrauch der Schätze der Natur. Zornig rief er: „Ignis, meine Schwester, ist es wahr, dass du sagtest, dein Volk sei das stärkste und dass deine Bauten allem standhalten können und sie nichts zu zerstören vermag?“

 Ignis, die aufgeheizt und streitlustig durch die Duelle mit ihrer Schwester Lusaria war, entgegnete nur kurz: „Meine Bauten sind stark und mein Volk ist es auch! Weder du, mein Bruder noch meine Schwester Lusaria können daran etwas ändern! Behaltet euren Neid und eure fahlen Worte gefälligst für euch!“

 Arcus, der erzürnt war über die dreisten Worte seiner Schwester entgegnete wütend: „Nichts kann der ungezügelten Gewalt der Natur standhalten! Sieh selbst und verfalle in Demut vor der Natur, die du beraubtest, um dich selbst in unzähligen Abbildern spiegeln zu lassen, sieh selbst und sei gestraft für deinen Hochmut und nimm die Rache der Natur an!“

 Und Arcus entsann Stürme und Erdbeben über Ignis' Land. Er plagte das Land, bis es aufgerissen und verwüstet war. Da sann Ignis bittere Rache und sandte Feuersbrünste über Arcus' Land, bis es ausgebrannt und kahl war.

 Dea beobachte das Treiben mit wachsender Begeisterung und ersann eine weitere Intrige wider den Sechs. Sie begab sich zu Fizzio und berichtete ihm von dem Treiben seiner göttlichen Geschwister.

 "Mein Göttlicher Herr", sprach sie, "Die Länder sind nun wieder verfeindet, ihr müsst für Ordnung sorgen. Nur ihr besitzt die Weisheit, dieses zu tun, auf euch werden sie hören. Für meine Worte sind sie nicht mehr erreichbar. Ihr müsst euch eilen! Eure göttliche Schwester Lusaria kann euer Volk mit Nachschub und Männern unterstützen! Ihr müsst es nur verlangen, ihr seid immerhin der Göttliche Richter! Aber ihr müsst jetzt eingreifen, ehe alles zu spät ist!“

 Fizzio, geschmeichelt von den süßen Worten Deas fand gefallen an diesem Titel: Göttlicher Richter.

 Aber der weise Fizzio sprach zu Dea: "Noch ist die Zeit nicht gekommen, um einzugreifen, noch ist es ein Streit zwischen zwei Geschwistern und es wäre nicht weise, sich dort einzumischen, solange mich niemand um Hilfe bittet. Dennoch rüste ich meine Mannen und beobachte die Situation, um im Notfall schnell helfen zu können.“ 

 Dea, nicht angetan von Fizzios vorsichtigen Überlegungen, ersann einen neuen Plan und eilte zu Lusaria, um demütig zu berichten: „Meine Herrin, Euer Bruder Fizzio möchte das allgemeine Durcheinander nutzen und sich  euer Land einverleiben. Er hat die Lobeshymnen eures Volkes gehört und neidet darum, er will mit dem Vorwand einer Frieden stiftenden Mission Einlass in euer Land verlangen. Meine Herrin, was sollen wir nun tun?“

 Lusaria, eingeschüchtert durch den Streit zwischen Arcus und Ignis und um ihr Land und Volk fürchtend, ließ einen Blick über das Land ihres Bruders wandern.

 "Sehet doch, alles so ordentlich und fest. Soll so mein Volk leben?“ Sie ließ ihren Blick über das Land von Ignis wandern das zerstört und nun wild vor ihr lag. "Oder soll mein Land auch so enden?“

 Während sie noch überlegte, hörte sie den Ruf ihres göttlichen Bruders Kornus und sie begab sich zu seiner Landesgrenze.

 Kornu sprach: "Fürchte nicht um dein Volk, liebe Schwester! Vertrau sie mir an, ich werde sie schützen und für sie Sorgen. Ich liege nicht im Streit mit euch. Bei mir finden sie Schutz! Nimm mein Angebot an und verbreite es auch unter den Völkern der anderen Länder. Jeder, der Schutz sucht, ist hier willkommen! Bei mir sind alle gleich!“

 Lusaria willigte ein, wenn auch widerwillig und schickte alle nicht kampffähigen Bewohner ihres Landes zu ihrem Bruder, um dort zu verweilen! Alle kampffähigen jedoch stellte sie ihrem Bruder zum Schutz seines und ihres Volkes zur Verfügung, als Pfand für die Aufnahme ihrer geliebten Menschen in ein fremdes Land.

 Lusaria verbreitete die Kunde Kornus, dass alle, die Schutz suchen, diesen bei ihm finden würden. Sie zog in die Länder von Ignis und Arcus und führte die Verletzen und die Schwachen aus den Kriegsgebieten heraus. Doch auch einige Waffenfähige schlossen sich ihren ziehenden Familien an, hatten doch auch sie den Wunsch, diese zu beschützen.

 In den Ländern von Fizzio und Kircinaia fand sie wenig Gehör, da diese Länder von den Wirren des Krieges nicht betroffen waren.

 Jedoch betrachtete Fizzio das stetige Wachsen von Kornus Armee kritisch und voller Sorge. Mittlerweile war Kornus Armee auf das doppelte von Fizzios angewachsen und es waren alles gute Krieger.

 Dea, die die Sorge von Fizzio spürte eilte zu ihm, und sprach bei ihm vor: „Mein Herr Fizzio, groß ist deine Weisheit. Bitte sage mir, wie ich es schaffen kann, die streitenden Geschwister zu einen? Ich schaffe es einfach nicht! Sie brauchen jemanden, der stark und weise und gerecht ist,  sie brauchen einen göttlichen Richter.“

  Fizzio, ob der Worte Deas sehr geschmeichelt, blickte über sein Land und sah in der Ferne die Rauchfahnen, von der Schlacht zwischen Ignis und Arcus. „"Göttlicher Richter soll ich sein?“ dachte er bei sich selbst. „Nun gut! So soll es geschehen“.

 Und Fizzio sammelte seine Truppen um sich, alles tapfere Männer und Frauen. Er blickte auf sie hernieder und sprach: „"Wahrlich, ihr seid meine Kinder! Voller Herrlichkeit und voller Stolz! Tragt die Gerechtigkeit hinaus in andere Länder! Wir werden dafür Sorgen, dass sich meine Geschwister wieder einen! Notfalls mit Gewalt!“

 Und Fizzio zog mit seinen Männern aus auf das Schlachtfeld von Ignis und Arcus. Die beiden leisteten wenig Widerstand, waren sie doch schon sehr geschwächt von den ständig anhaltenden Kämpfen. Fizzio sprach zu seinen Geschwistern: „Seht doch, was ihr euren Ländern angetan habt. Es ist verbrannt oder überflutet. Eure Männer und Frauen sind des Kampfes müde und all eure Auseinandersetzungen führen zu keinem Ergebnis. Seht ihr nicht, dass ihr stark seid, jeder auf seine eigene Art und Weise?“

 Und Arcus und Ignis sahen sich um und sahen sich ihre Länder und geschundenen Kämpfer an.

 Ignis sprach: "Sieh Arcus! Sieh was dein falscher Stolz meinem Volk und meinem Land angetan hat! Bist du nun zufrieden?“

 Arcus erwiderte: "Wenn du mich nicht mit deiner Überheblichkeit  herausgefordert hättest, würden dein und mein Land noch stehen!“

 Gerade als die beiden wieder ihre Waffen erneut heben wollten, mischte sich Fizzio ein.

 „Haltet ein meine Geschwister! Eure Länder sind durch euer beider Streit zerstört worden! Ihr bewirkt nichts Gutes, wenn ihr gegeneinander kämpft und euch nur noch weiter schwächt!“

 Dea kam hinzu und verneigte sich tief vor den drei göttlichen Geschwistern.

 

 „Meine Herrin Ignis und mein Herr Arcus, bitte haltet doch ein. Seht nur, all eure Leute sind zu Herrn Kornu und zur Herrin Lusaria geflohen! Sie haben euch auch schon verlassen, und geben ihr Tagewerk und das, was ihr sie gelehrt habt, nun an andere Herren weiter. Wenn ihr euch versöhnt und euren edlen Bruder Kornu anfleht, vielleicht gewährt er Euch Eure Leute zurück, sodass ihr euer Land wieder aufbauen könnt.“

 Fizzio sprach:“ Natürlich wird er euch eure Männer und Frauen zurückgeben, es sind schließlich die Euren.“

 Durch den Erfolg bei Ignis und Arcus angespornt, fügte er voller Tatendrang hinzu: "Und wenn nicht, dann werden wir ihn dazu zwingen.“

 Arcus und Ignis nickten grimmig und so formte sich ein Bündnis. Schnell waren die Truppen neu aufgestellt und neu ausgerüstet. Ignis schmiedete einigen ausgewählten Kämpfern starke Rüstungen und mächtige Waffen. Arcus stellte raffinierte Taktiken auf und formierte die Truppen zu sich gut ergänzenden Formationen und Fizzio stärkte mit feurigen Reden den Willen und die Motivation der Truppen.

 Dea beobachtete dieses alles mit wachsender Begeisterung. Die ganze Zeit über blieb sie bei den drei Geschwistern und sang für sie Lieder zur Unterhaltung, und mir ihren Liedern säte sie insgeheim in den Herzen der göttlichen Geschwister den Wunsch nach ruhmreichen Schlachten und großen Taten. Als der Tag des Aufbruches nahte, setze sie ihre besorgteste Miene auf und schritt zu Arcus.

 
"Mein Herr Arcus, schlechte Träume plagen mich. Ich fürchte um die baldigen Kämpfe! Kornus und Lusarias Armee ist stark, warum fragt ihr nicht eure edle Schwester Kircinaia um Unterstürzung?“

 Arcus nickte und besprach den Plan mit seinen Geschwistern. Sie stimmten alle zu, Kircinaia, die jüngste und die älteste ihrer Geschwister um Unterstützung zu bitten, war ihr Anliegen doch edel und gerecht in ihren Augen. Und so zogen sie mit ihren Truppen zuerst an die Landesgrenze von Kircina.

 Fizzio trat als erster vor und sprach: „Schwester! Unterstütze uns in unserem Kampf, um das zu holen, was uns zusteht. Hilf uns, Gerechtigkeit zurück in diese Lande zu bringen!“

 Kircinaia erwiderte: "Du bringst keine Gerechtigkeit. Deine Absichten sind edel, aber deine Taten sind es nicht. Dein Vorhaben mag weise erscheinen, aber du handelst dumm. Geh, ich habe nichts mit dir zu besprechen.

 Arcus trat vor und sprach: "Älteste von uns! Sieh doch, was geschehen ist! Kornu sammelt seine Truppen und wird bald gegen uns ziehen! Er stahl uns unsere Leute und gebraucht nun unser Wissen gegen uns! Ich will nur meine Männer zurück!“

 Kircinaia erwiderte: „Arcus, mein stolzer Bruder! Einst war dein Land ein Teil von dir, du hast es dir aus dem Herzen gerissen und weggeworfen! Deine Leute flohen vor deinem Hochmut und deiner Unbeherrschtheit! Wenn du sie zurückhaben willst, dann geh, übe dich in Demut und bitte sie, dass sie zu dir zurückkehren.“

 Ignis trat vor und sprach: „Kircinaia, du jüngste von uns! Wir wollen doch nur alle wieder einen, wir waren einst eine Gemeinschaft, eine Familie. Wir wollen, dass es wieder so ist. Aber Kornu und Lusaria nahmen sich Gut, das ihnen nicht gehört! Das sät Unmut! Hilf uns, diese Sache zu bereinigen.“

 Kircinaia erwiderte: „Ignis du hast deine Leute verraten! Warst du es nicht, die den Streit mit Lusaira zuließ? Warum hast du ihr nicht die Hand zum Bündnis ausgestreckt? Warum hast du nicht Lusaria nach einem handwerklichen Austausch gefragt? Ihr alle drei, ihr seid verblendet! Schlimmer noch als damals. Wacht auf und sehet was ihr tut! Ich werde mich euch nicht anschließen! Diesem zerstörerischem Bündnis werde ich nicht beitreten.“

 Die drei Geschwister, verwirrt und verletzt von den Äußerungen ihrer eigenen Schwester, zogen sich zurück. Jeder für sich und in seinen Gedanken versunken. Dea, die dieses sehr wohl bemerkte, entschloss sich schnell zu handeln und fing an zu singen! Sofort waren Ignis und Arcus aus ihren Gedanken gerissen und fingen an, wütend über ihre dreiste Schwester zu schimpfen, was bildete sie sich überhaupt ein?

 Auch Fizzio erwachte aus seinen Gedanken, jedoch glaubte er zu bemerken, dass jedes Mal wenn Dea sang, die Wut, der Neid, der Zorn, die Angst und der Hochmut Überhand gewann und dieses zum Streit führte. Es konnte natürlich nur Zufall sein, allerdings vertraute er diese Gedanken im geheimen einer seiner besten Priesterinnen an und schickte sie mit einer neutralen Botschaft zu seinen Geschwistern Kornu und Lusaria: „Hass und Eifersucht durchfluten unsere Herzen. Ich fürchte, dass unsere geliebte Dea dafür die Verantwortung trägt. Wisset dieses: Gerechtigkeit ist überall und man kann sie nicht einfach ausblenden. Solltet ihr schuldig sein, das Volk von Ignis und Arcus gegen ihren Willen bei euch zu behalten, wird euch unser gerechter Zorn hart treffen.“

 Kornu und Lusaria lasen diese Botschaft jeder für sich alleine, aber beide kamen zu dem gleichen Schluss, das Fizzio nicht unrecht hatte, was Dea betraf, war sie doch stets da, wenn wieder Zwist und Zwietracht neu entflammte. War sie es nicht auch, die mit ihrem wunderbaren Gesang im alten Paradies die Götter zu ihren Streitigkeiten angestachelt hatte?

 Kornu und Lusaria sammelten nun ihrerseits ihre Truppen, um in die Schlacht zu ziehen; allerdings nicht gegen ihre Göttlichen Geschwister, sondern um Dea zur Rede zu stellen.

 Arcus, Ignis und mittlerweile auch Fizzio waren durch Deas Lieder so voller Zorn und verletztem Stolz, dass sie sich neu formierten gegen ihre göttliche Schwester Kircinaia. Doch egal, wie viele Wellen sie gegen ihre Schwester schickten, sie wehrte sie alle ab. Kircinaia, obgleich mit ihren Truppen weit unterlegen, ist die Göttin der Unendlichkeit und so begab es sich, dass ihre Krieger einfach nicht starben.

 Als Lusaria und Kornu das Schlachtgeschehen erreichten, waren die Schlachten schon in vollem Gange. Es gab schreckliche Verluste in den Reihen von Arcus, Ignis und Fizzio, aber auch Kircinaias Land hatte schwere Wunden davongetragen.  

 Kornu trat vor und sprach zu seinen Geschwistern:

 „Hört mich an! Wir wollen uns nicht bekriegen und auch nicht gegeneinander kämpfen. Seht doch, wie unsere Länder aussehen. Wir sind eine Einheit, wie können wir uns gegenseitig bekriegen und unsere eigenen Völker in den Tod schicken?“

 Kircinaia erschien und sprach zu ihren Geschwistern: „Unser Bruder hat recht, wir können uns bis in alle Ewigkeit bekriegen oder wir schließen Frieden, solange noch etwas von unserer schönen Welt übrig ist, das wir beschützen können! So kommet doch zusammen und lasset uns wieder als Einheit zusammensitzen. Arcus, Ignis und Fizzio arbeiten zusammen, Lusaria und Kronu arbeiten zusammen. Es besteht noch Hoffnung.“

 Die Götter sahen einander an und senkten langsam die Waffen. Müde waren sie all des Streitens und müde waren sie von all dem Hass. Dea, die sah, dass sich die Götter wieder versöhnen wollten, hob die Stimme an, um erneut zu singen.

 Doch Lusaria kam ihr zuvor und sang ihrerseits, sie sang von Liebe und vom Paradies, sie sang von Einigkeit und Freude, von Spielen und von lauen Sommerabenden. Sie sang so laut und klar, dass sie Dea übertönte.

 Mit einem euphorischen Grinsen wandte sich Lusaria an Dea. „Geh Kind! Du bist keine von uns! Deine Anwesenheit ist gerade nicht von Nöten. Dein Gesang ist nicht göttlich und daher hast du nicht das Recht zu singen, wenn ich singen will.“

 Darauf hatte Lusaria schon eine Ewigkeit gewartet. Endlich dieses Kind in ihre Schranken zu weisen und sich selbst wieder als Göttliche Sängerin zu beweisen.

 Dea, die ob der Worte von Lusaria so erzürnt war, dass ihr alle Worte im Hals stecken blieben, ballte die Fäuste und zwang sich eine gepresste Verneigung ab und zischte mit zusammengebissenen Zähnen: „Natürlich meine Herrin, wie dumm und töricht von mir, ich werde mich entfernen."

 Und sie ging. Sie wusste, dass sie hier nichts mehr ausrichten konnte. Es war Zeit, nach Hause zurückzukehren. Ihr Herr hatte gute Chancen, seinen rechtmäßigen Thron zu beanspruchen, waren doch die Götter geschwächt und zur Zeit abgelenkt.

 Und während sich die Götter berieten und sich aussprachen, schlich sich Improbus in das zerstörte Paradies. Er vergiftete das Land von Kornu und zerstörte das Land von Lusaria. Er nistete sich ein wie eine Made in fauligen Fleisch, er rief all seine Anhänger aus den verborgenen Winkeln hervor, in denen sie sich immer versteckt hatten. Er formte grausame Kreaturen aus Lehm und Staub und so entstand eine grausame Armee, um die Götter zu zerstören.

 

 Als die Götter aus ihrer Zusammenkunft gestärkt und geeint herauschritten fanden sie ihr geliebtes Paradies in Improbus Besitz wieder. Neben ihm stand Dea, schön wie immer, aber mit einem finsteren und dunklen Gesichtsausdruck.

 Ignis wurde diesem Anblick als erste gewahr, sie schrie in Zorn über den Verrat Deas und darüber, dass sie wegen ihr ihre eigene Familie verraten hatte.

 Arcus sah und hörte, dass seine Schwester schrie und blickte zornig zu Dea und Improbus hinüber, er brüllte vor Wut darüber, dass er so schwach gewesen und Deas Zauber erlegen war.

 Fizzio sah die beiden und machte sich schwere Vorwürfe dafür, dass er so blind gewesen war und sich so hatte manipulieren lassen.

 Lusaria sah Dea direkt ins Gesicht und schämte sich dafür, dass sie auf eine Kreatur wie  Improbus eifersüchtig sein konnte; dass sie es überhaupt zugelassen hatte, dass Dea schöner singen konnte als sie.

 Kornu sah, wie Imbrobus ihre Schwäche ausgenutzt hatte und den letzten Rest des Paradieses benutzte, um sich daran zu laben wie ein Pilz einem heilen Baumstamm alles Leben entzieht. Er trauerte um die verlorenen Jahre mit seinen Geschwistern und die vielen Menschen, die gestorben waren durch den falschen Zauber, den Dea verbreitet hat.

 Kircinaia sah ihre Geschwister und sie sah Improbus und Dea, sie schritt auf das ungleiche Paar zu und ihre Stimme halte gewaltig über den ganzen Kontinent bis in die letzten Winkel!

 „Du hast es gewagt, dich in unser Werk einzumischen! Du hast es gewagt, hierher zu kommen. Heute und für alle Ewigkeit sollst du verbannt sein, Imbrobus! Wir werden dich nicht gewähren lassen!“

 So zornig hatten die Geschwister ihre jüngste und älteste Schwester noch nie erlebt. Grimmig riefen sie ihre Völker zusammen und es begann eine Schlacht, die 9 Jahre, 6 Monate und 3 Tage dauerte.

 Die Heerscharen stießen aufeinander und die Erde erbebte. Dea sang laut und klar, und wo immer ihre Stimme die Ohren der Soldaten des Improbus erreichten wurden diese angestachelt, noch brutaler und grausamer zu kämpfen.

 Und Lusaria sang, und wo immer ihre liebliche Stimme die tapferen Menschen erreichte, stärkte sie den Willen und verlieh neuen Mut und neuen Kampfgeist.

 Die Götter kämpften, und in diesen heftigen Kämpfen wurden Ihnen viele tiefe Wunden geschlagen, die sie schwächten. Das göttliche Blut tropfte auf die Erde und manifestierte sich als Abbild des Göttlichen. Jedoch manifestierte sich die Essenz des Göttlichen nicht nur in Myrianda, sondern wurde auch weit in die Welt zerstreut.

 Kornu, der große Lücken in die Reihen der zahllosen Feinde schlug, erkannte bald, dass es nicht zum Sieg führte, immer nur auf die Auswirkungen einzuschlagen. Er musste das Böse an der Quelle direkt aufspüren. Er kämpfte sich mit schier unglaublicher Ausdauer und Mut bis zu Dea vor, obwohl er selbst schon sehr geschwächt war.

 Als sie ihn kommen sah, richtete sie ihren Zauber, ihre Stimme und ihre ganze Kraft gegen Kornu. Auch stürzten sich nun noch mehr Feinde auf den göttlichen Beschützer.

 Doch er erschlug jeden Angreifer und stand schließlich vor Dea, hob sein Schwert und trennte ihr mit einem mächtigen Hieb den Kopf von den Schultern.  

 Improbus, der mit einer solch wagemutigen Tat nicht gerechnet hatte, fing an, sich zurückzuziehen. Zuviel seiner eigenen Kraft war in Dea übergegangen und er fühlte sich geschwächt. Noch während die Götter seine scheußlichen Truppen abwehrten, zog er sich langsam zurück, unbemerkt und unerkannt, um später gestärkt erneut zuzuschlagen.

 Als Arcus die letzten von Improbus' Truppen erschlug, wurden die Götter des Verschwindens von Improbus gewahr. Sie suchten überall nach ihm, jedoch gelang es ihnen nicht, den Eingang in sein verborgenes Reich tief im Inneren der Erde zu finden.

 Die Götter hatten zwar ihre Länder wieder, Dea war besiegt und Improbus zurückgeschlagen, doch waren durch die vielen Kämpfe die Götter stark geschwächt. Improbus hat zusätzlich die Erde vergiftet und entstellt.

 Trotz vieler Versuche war es selbst den Göttern nicht möglich, die teils durch sie selbst und teils durch Improbus versehrte und, vergiftete Erde wieder zu heilen und neues wachsen zu lassen.

 Die Völker litten in dieser Zeit große Not und Hunger. Es fehlte an allem. Viele mussten verhungern. Es gab Aufstände und es kam zu Gewaltausbrüchen unter den Menschen. Improbus' Anhänger taten ihr Übriges und hetzten die Menschen noch zusätzlich auf, indem sie provozierende Situationen erzeugten, Gerüchte streuten und vieles mehr.

 Die Götter wehklagten die Situation auf dem Kontinent und betrauerten ihre Machtlosigkeit. Kircinaia hatte Mitleid mit ihren göttlichen Geschwistern und rief sie zu sich, um eine Lösung für ihrer aller Problem zu finden.

 „Höret meine Geschwister. Das Land ist verdorben und wir können es nicht mehr neu bestellen. Ich bin die Ewigkeit und der unendliche Kreislauf. Etwas Altes muss gehen, damit etwas Neues geboren werden kann. Wir sind alle von den ewigen Kämpfen geschwächt. Lasst uns ruhen und für die Menschen den Weg ebnen. Wir werden bei ihnen sein und sie unterstützen, bis wir unsere alte Macht zurückerlangt haben. Aber das ist die Einzige Möglichkeit, die wir haben.“

 Die Götter stimmten zu und begaben sich in ihre Länder, um eins zu werden mit der Erde und dem Kontinent. Durch Träume und Visionen nehmen sie immer noch Kontakt zu ihren Priestern auf und verleihen ihnen ihre Stärke. An den Orten, an denen sie sich mit dem Land vereint haben, ist ihre Macht noch immer am stärksten und auch die Nichtgeweihten der Gottheit ziehen sich manchmal an diese heiligen Orte zurück, um den Göttern nahe zu sein.

 Doch Improbus ist immer noch nicht besiegt, und er führt sein Werk weiter im Verborgenen. Hass, Intrigen, Eifersucht und Leid sind seine Waffen. Er korrumpiert die Menschen und verleitet sie dazu, gegen das göttliche Werk zu kämpfen. Die Götter ruhen und Improbus, durch die letzte Schlacht und den Verlust Deas sehr geschwächt, wartet nur auf eine Möglichkeit, sich wieder zu erheben.

 Die einzige Möglichkeit, unser schönes Paradies wieder zu erhalten, ist, den Göttern zu ihrer alten Stärke zurück zu verhelfen.